2011/03/14

Arbeitsblätter erstellen - ein Kinderspiel?

So jedenfalls der Gedankengang, den ich anfänglich hatte, als ich den Auftrag bekam "dann entwirf du mal dazu ein Arbeitsblatt". Das Ergebnis des Gedankengangs zeigte sich in der 2ten Stunde der Magnetismus-Einheit. Hier mal ein paar Stimmen zum Spiel (war gerade so passend die Analogie):
  • ich versteh überhaupt nicht was ich machen soll!
  • wie rum muss ich das nun drehen? ich raff nicht, was das hier soll
  • wieso geht das nicht bei uns? wir haben doch eigentlich alles gemacht, wie es drauf stand
  • hä? was bedeutet denn das Wort hier überhaupt?
  • uvm.
Wie man bereits erahnen kann, war es alles andere als gelungen, besagtes Arbeitsblatt. Die Idee, ein Portfolio zu führen ist berechtigt, denn so kann direkt notiert werden auf den Arbeitsblättern, was nicht funktioniert hat und was auf jeden Fall verbessert werden muss. Ein paar Anmerkungen zum vorletzten Punkt (vor "uvm."): Es heißt nicht "heute magnetisieren wir eine Büroklammer" in einer Klasse 6, es heißt "heute bauen wir uns selbst einen Magneten". DANN erhält man die gewünschte Begeisterung. Es heißt auch nicht "welche Stoffe werden druchdrungen" sondern "durch was kommt die magnetische Kraft durch" und DANN kommt die Klasse 6 auf die Idee, Materialien an die richtigen Stellen zu halten.

Nun ja, es heißt nicht umsonst "Praktikum". Man soll ja auch noch was lernen... So wie in der ersten, eigenen Stunde ohne 2te, helfende Hand. Dazu später mehr.

Die Stunde 0

Der erste Tag vor der Klasse, die erste Unterrichtsstunde in einer Klasse, die man bis zum Ende des Halbjahres mitbegleiten wird.
  • Die übliche Aktion des Praktikanten: "Ich setz' mich dann mal hinten rein und guck mir das an".
  • die nicht erwartete Reaktion der betreuenden Lehrerin: "Neneee, du bleibst mal schön hier vorne mit mir stehen, sonst sind ja die Rollen gleich klar"
Tjaaa, dann steht man also da vorn vor der Klasse und fragt sich "Was nun?". Es geht los, gespannte Gesichter. 2 Lehrer, das hatten sie so noch nicht erlebt, normalerweise ist es doch immer nur ein. Das erste Kennenlernen, das erste gegenseitige Austesten und seitens der Lehrer die ersten Regeln und deutlichen Richtlinien, wie der Unterricht zu verlaufen hat.

Alles in allem eine "normale" Stunde, mit einigen kleinen Ausnahmen:
  • mind. 1/3 der Schüler melden sich auf die Frage nach LRS (Lern-Rechtschreib-Schwäche)
  • fast alle kennen Galileo und sonstige Wissenssendungen
  • das Vorwissen mancher Schüler ist echt faszinierend
Und dann hat man noch die normale Heterogenität der Klasse: Einige Schüler total interessiert, bieten an selber Experimente vorzuführen, engagieren sich und beteiligen sich mehr als rege; andere wiederum vollkommen desinteressiert, schwatzen die ganze Zeit und stellen ihre Meinung gegenüber dem neuen Fach Physik deutlichst dar.

Wichtigste Notiz an mich selbst, schon in der ersten Stunde: ICH wäre nicht so streng und würde das anders aufziehen (dass das nicht sonderlich gut wäre/ist, zeigt sich wenige Stunden später).

Lehrer werden wollen - Lehrer sein

Seit gut 5 Wochen mache ich nun ein Praktikum an einer der Schulen hier in der Stadt und habe auch schon selber die Möglichkeiten bekommen zu unterrichten, auch ganz allein ohne helfende Hand. Was ich defintiv feststellen musste ist, dass Lehrer werden wollen und Lehrer sein dann doch zwei unterschiedliche Dinge sind.
Lehrer werden wollen befasst sich mit der Einstellung, die man wohl an den Tag legen müsste, mit der Vorstellung, die man hat, wie es wohl wäre, vor den Kids zu stehen und den Stoff unterrichten zu müssen, wie es wohl wäre, wenn die nicht aufpassen und unruhig sind, wie ich wohl am besten reagieren könnte usw. Ihr merkt es selber, ein riesen Haufen Konjunktiv.

Lehrer sein hingegen ist die Realität. Alle Vorstellungen, alle Ideen und alle Unterrichtseinheiten, die man vorher durchgeplant hat verlieren ihren Zweck, wenn die Hälfte der Klasse nicht aufpasst, wenn einer immer wieder stört, wenn die Kids sich gegenseitig mit den Magneten ärgern, anstatt zu experimentieren und und und. All das durfte ich bisher aber nicht nur beobachten, sondern acuh selber erfahren und ich habe mich deswegen letztendlich dazu entschieden, das in diesem Blog zu dokumentieren. Ich bemühe mich, die Dokumentation so genau wie möglich zu halten, allerdings wird dies kein objektiver Blog, sondern er wird geprägt von Gefühlen, Empfindungen und vor allem Gedanken und somit persönlichen Erlebnissen, die ich sammeln konnte/durfte auf dem Weg durch dieses Praktikum.

Und wer weiß, vielleicht wird der Blog auch weitergeführt nach dem Praktikum. Aber bis dahin fangen wir doch erstmal bei Stunde 0 an, der Tag, an dem ich das erste Mal gemeinsam mit der betreuenden Lehrerin vor der Klasse stand.